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Ein Paket für jemand anderen

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Carlos stand an einem regnerischen Dienstag vor seiner Wohnungstür in der dritten Etage. Er hatte gerade die Tür geöffnet, als er ein kleines Paket auf dem Boden bemerkte. Auf dem Etikett stand sein Name: Carlos Müller. Doch Carlos wohnt nicht hier. Sein richtiger Name ist Carlos Gómez, und er lebt seit zwei Jahren in dieser Altbauwohnung. Verwirrt nahm er das Paket in die Hand. Es war leicht und roch nach frischem Kaffee. Neugierig öffnete er es vorsichtig. Darin lag eine kleine Tasse mit der Aufschrift Gute Besserung und ein Zettel, auf dem stand: Für Frau Weber, 3. OG, Wohnung 5.

Carlos schüttelte den Kopf. Das war eindeutig ein Fehler des Zustellers. Aber wer war Frau Weber? Carlos kannte seine Nachbarn kaum. Er ging jeden Tag früh zur Arbeit und kam abends müde nach Hause. Die meisten Türen blieben für ihn verschlossen. Er klopfte an die Tür der Wohnung 5. Niemand öffnete. Er wartete eine Minute, dann zwei. Stille. Enttäuscht drehte er sich um. Da hörte er leise Schritte im Treppenhaus. Eine ältere Dame mit grauen Haaren kam die Treppe hinunter. Sie trug einen dicken Schal und sah besorgt aus.

Entschuldigung, sagte Carlos höflich, haben Sie ein Paket bekommen? Es stand mein Name drauf, aber es ist für Frau Weber bestimmt. Die Dame blinzelte überrascht. Ich bin Frau Weber, antwortete sie leise. Aber ich habe nichts bekommen. Ich bin seit gestern krank und im Bett geblieben. Carlos verstand sofort. Der Zusteller hatte das Paket wohl an die falsche Tür gestellt, weil er den Namen falsch gelesen hatte oder einfach einen Fehler gemacht hatte.

Das ist sehr peinlich, sagte Carlos. Ich wollte es Ihnen nur bringen, damit Sie nicht warten müssen. Frau Weber lächelte schwach. Sie sind sehr nett. Ich habe schon lange niemanden mehr gesehen. Die Leute hier leben wie in ihren eigenen Welten. Carlos fühlte sich ein wenig schuldig. Er hatte nie nachgefragt, wie es seinen Nachbarn ging. Er dachte immer, sie hätten alles im Griff.

Möchten Sie, dass ich Ihnen etwas bringe? Vielleicht Tee oder Medikamente? fragte Carlos. Frau Weber nickte dankbar. Das wäre wunderbar. Ich habe Durst. Carlos ging schnell in seine Wohnung und holte eine Flasche Wasser und ein Glas. Als er zurückkam, saß Frau Weber bereits auf einer Bank im Treppenhaus. Sie trank das Wasser und sah Carlos an.

Vielen Dank, sagte sie. Wissen Sie, es ist schön, wenn man weiß, dass es gute Menschen in der Nachbarschaft gibt. Ich dachte, wir wären alle Fremde für einander. Carlos lächelte. Ich auch. Aber vielleicht ändert sich das jetzt. Wenn Sie möchten, kann ich nächste Woche wieder vorbeikommen. Wir könnten zusammen Kaffee trinken, wenn Sie gesund sind.

Frau Weber strahlte. Das würde mich sehr freuen. Vielen Dank, Carlos. Als Carlos in seine Wohnung zurückkehrte, fühlte er sich anders. Die grauen Wände der Altbauwohnung schienen nicht mehr so kalt zu sein. Er hatte etwas gelernt: Man sollte nie annehmen, dass man die Menschen um sich herum gut kennt. Ein kleines Paket konnte eine große Tür öffnen. Am nächsten Tag klopfte Carlos an die Tür von Wohnung 4 und fragte den jungen Mann dort, ob er Hilfe beim Umzug brauchte. So begann ein neuer Abschnitt in seinem Leben.

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Practice Questions

Warum war Carlos verwirrt, als er das Paket auf dem Boden sah?

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Was lag im Paket und für wen war es eigentlich bestimmt?

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